
PRESSEMITTEILUNG Nr. 16/2025
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Im Jahr 2024 empfahl das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF) laut seinem heute veröffentlichten Jahresbericht die Wiedereinziehung von mehr als 870 Mio. EUR an missbräuchlich verwendeten EU-Mitteln. Die Untersuchungsbeauftragten des OLAF verhinderten außerdem, dass mehr als 40 Mio. EUR unrechtmäßig ausgegeben wurden, wodurch die Rolle des OLAF als Hüter des EU-Haushalts verdeutlicht wurde. Im Laufe des Jahres schloss das OLAF 246 Untersuchungen ab, gab 301 Empfehlungen an nationale und EU-Behörden ab und leitete 230 neue Untersuchungen ein.
Dieser Bericht zeigt nicht nur die starken Leistungen in dem Jahr, sondern auch das 25-jährige Bestehen des OLAF – ein Vierteljahrhundert engagierter Arbeit für den Schutz der finanziellen Interessen der EU wird hervorgehoben und die führende Rolle des OLAF bei der Betrugsbekämpfung bekräftigt.
Die wichtigsten Zahlen für 2024:
- Das OLAF empfahl Einziehungen mit einem Gesamtvolumen von 871,5 Mio. EUR zugunsten des EU-Haushalts.
- Das OLAF konnte verhindern, dass 43,5 Mio. EUR zu Unrecht aus dem EU-Haushalt ausgegeben wurden.
- Zusätzlich wurden Einnahmen in der Höhe von 419,2 Mio. EUR (Einfuhrzölle und Mehrwertsteuer) durch Vorsorge- und Präventivmaßnahmen gesichert.
- Das OLAF schloss 246 Untersuchungen ab und richtete 301 Empfehlungen mit Folgemaßnahmen an die entsprechenden nationalen und EU-Behörden.
- Ferner leitete das OLAF 230 neue Untersuchungen ein, denen 1138 Vorprüfungen durch OLAF-Fachleute vorausgingen.
Von komplexem Finanzbetrug und grenzüberschreitendem illegalen Handel bis hin zu Zollverstößen, Umweltbetrug und der Verhinderung der Umgehung von Sanktionen hat das OLAF stets seine Zweckdienlichkeit und Anpassungsfähigkeit angesichts der sich wandelnden Herausforderungen unter Beweis gestellt. In den letzten drei Jahren haben die Untersuchungen des OLAF zur Wiedereinziehung von 4,5 Mrd. EUR und zur Verhinderung von mehr als 800 Mio. EUR an vorschriftswidrigen Ausgaben geführt – ein eindeutiger Beweis für die entscheidende Rolle des Amtes beim Schutz der finanziellen Interessen der EU.
„Im Jahr 2024 haben wir die Betrugsbekämpfung an allen Fronten fortgesetzt“, erklärte OLAF-Generaldirektor Ville Itälä. „Ob es darum geht, EU-Investitionen in lokale Gemeinschaften zu sichern, die Gesundheit durch Maßnahmen gegen nachgeahmte Waren zu schützen oder sicherzustellen, dass die EU-Mittel ordnungsgemäß verwendet werden und weiterhin ihren Zweck erfüllen – das OLAF ist da, um aufzudecken, zu handeln und zu schützen.“
„Wir bleiben unserem Ziel treu: für Fairness zu sorgen und die Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Gemeinschaften in der EU zu schützen. Je enger wir zusammenarbeiten, desto besser können wir Ergebnisse liefern, das Geld der Steuerzahler wirksamer schützen und potenzielle Betrüger abschrecken“, führte er weiter aus.
„Es ist äußerst befriedigend zu wissen, dass unsere Untersuchungen dazu beigetragen haben, die Gesundheit der Menschen zu schützen, gefährliche Produkte vom Markt fernzuhalten, die Umwelt zu erhalten und das Vertrauen in die EU-Organe zu stärken. Das ist es, was uns jeden Tag antreibt.“
Untersuchungen innerhalb und außerhalb der EU
Das OLAF war im Laufe des Jahres sowohl in den EU-Ländern als auch darüber hinaus tätig. Im Jahr 2024 stellte das OLAF insbesondere zahlreiche Fälle von Interessenkonflikten, Manipulationen bei der Auftragsvergabe, überhöhten Kosten und Belästigung am Arbeitsplatz fest.
In einem bestimmten Mitgliedstaat deckte das OLAF ein Korruptionsnetzwerk auf und sorgte dafür, dass die erforderlichen Maßnahmen ergriffen wurden, um 75 Millionen Euro an EU-Mitteln zurückzufordern, die für die Finanzierung von 112 Projekten zur Verbesserung des Lebens der Bürgerinnen und Bürger sowie der angeschlagenen Wirtschaft bestimmt waren.
In einem anderen Fall führten die Untersuchungen das OLAF nach Westafrika, wo wir Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit EU-Mitteln aufdeckten, die für die Modernisierung lokaler Schulen vorgesehen waren.
Rechenschaftspflicht der EU
Das OLAF spielt weiterhin eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht sicherzustellen, dass die EU-Bediensteten sich nach den höchsten ethischen Standards verhalten. Im vergangenen Jahr schloss das OLAF mehrere interne Untersuchungen zu mutmaßlichem Fehlverhalten von Bediensteten und Mitgliedern der EU-Organe ab – ein Hauptbestandteil der Aufgabe des Amtes, die Integrität der Union zu schützen und dazu beizutragen, dass jede/r sich an die höchsten Verhaltensnormen hält.
Die internen Untersuchungen des OLAF konzentrierten sich im vergangenen Jahr hauptsächlich auf komplexe und sensible Fälle, z. B. solche, an denen Bedienstete in höheren Führungspositionen oder andere hochrangige Personen beteiligt waren. Dazu gehören Vorwürfe von Belästigung, Interessenkonflikte und ethische Fragen im Zusammenhang mit der Einstellung von Bediensteten und externen Tätigkeiten.
Zunahme von Umweltbetrug
Die Untersuchungsbeauftragten des OLAF gingen verstärkt gegen Machenschaften vor, die gegen das EU-Umweltrecht verstoßen und die biologische Vielfalt bedrohen. Bei vielen im Jahr 2024 durchgeführten Untersuchungen wurden illegale Aktivitäten wie der Handel mit schädlichen fluorierten Treibhausgasen (F-Gasen) und die unrechtmäßige Ausfuhr von Kunststoffabfällen aufgedeckt – beides hat schwerwiegende und dauerhafte Auswirkungen auf den Planeten.
Diese Umweltstraftaten verstoßen nicht nur gegen EU-Vorschriften, sondern untergraben auch die weltweiten Bemühungen zur Bekämpfung des Klimawandels und der Umweltverschmutzung. Im digitalen Bereich wiederum beobachtete das OLAF einen zunehmenden Missbrauch von E-Commerce-Plattformen für den Verkauf gefälschter oder unterbewerteter Einfuhren. Bei diesen Waren handelt es sich häufig um gefälschte Arzneimittel und andere gefährliche Güter. In Abstimmung mit den Zollbehörden hat das OLAF diese illegalen Netzwerke ins Visier genommen und dazu beigetragen, große Lieferungen abzufangen.
„Unsere Zusammenarbeit mit den nationalen Behörden und anderen Partnern ist nach wie vor ein wesentliches Element unseres Erfolgs. Sie ermöglicht einen raschen Informationsaustausch, koordiniertes Handeln und bessere Ergebnisse für den Schutz der finanziellen Interessen der EU. Wir freuen uns darauf, diese Zusammenarbeit im Rahmen der laufenden Überprüfung der europäischen Betrugsbekämpfungsarchitektur weiter auszubauen“, erklärte Itälä.
Der OLAF-Bericht 2024 ist auf der Website des OLAF abrufbar.
Mission, Auftrag und Zuständigkeiten des OLAF:
Das OLAF hat die Aufgabe, Betrug im Zusammenhang mit EU-Mitteln aufzudecken, zu untersuchen und zu unterbinden.
Das OLAF erfüllt seinen Auftrag, indem es
• unabhängige Untersuchungen von Betrug und Korruption im Zusammenhang mit EU-Mitteln durchführt, um sicherzustellen, dass das Geld der Steuerzahler in der EU Projekten zugutekommt, die Arbeitsplätze und Wachstum in Europa schaffen;
• bei schwerwiegendem Fehlverhalten von Bediensteten und Mitgliedern der EU-Organe und Einrichtungen Untersuchungen durchführt und so zur Stärkung des Vertrauens der Bürger in diese Organe und Einrichtungen beiträgt;
• eine solide EU-Betrugsbekämpfungspolitik entwickelt.
Im Rahmen seiner unabhängigen Untersuchungsfunktion kann das OLAF Sachverhalte im Zusammenhang mit Betrug, Korruption und anderen gegen die finanziellen Interessen der EU gerichteten Straftaten in folgenden Bereichen untersuchen:
• sämtliche EU-Ausgaben: Die wichtigsten Ausgabenkategorien sind die Strukturfonds, die Agrarpolitik und Mittel für die Entwicklung des ländlichen Raums, direkte Ausgaben und Außenhilfe;
• einige Bereiche der EU-Einnahmen, hauptsächlich Zölle;
• bei Verdacht auf schwerwiegendes Fehlverhalten von Bediensteten und Mitgliedern der EU-Organe und Einrichtungen.
Wenn das OLAF seine Untersuchung abgeschlossen hat, obliegt es den zuständigen Behörden der EU und der Mitgliedstaaten, die Empfehlungen des OLAF zu prüfen und über etwaige Folgemaßnahmen zu entscheiden. Für alle Betroffenen gilt die Unschuldsvermutung, bis ihre etwaige Schuld von einem zuständigen EU-Gericht oder nationalen Gericht festgestellt wird.
Weitere Auskünfte:
Pierluigi CATERINO
Sprecher
Europäisches Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF)
Telefon: +32(0)2 29-52335
Email: olaf-media
ec [dot] europa [dot] eu (olaf-media[at]ec[dot]europa[dot]eu)
https://anti-fraud.ec.europa.eu
LinkedIn: European Anti-Fraud Office
X: x.com/EUAntiFraud
Bluesky: euantifraud.bsky.social
Einzelheiten
- Datum der Veröffentlichung
- 16. Juni 2025
- Autor
- Europäisches Amt für Betrugsbekämpfung
- News type
- OLAF press release